… doch die Wanderung bot noch viel mehr – Neben Literatur auch naturkundliche und geschichtliche Besonderheiten über das Quellgebiet und über die hier lebenden Menschen mit ihrer ganz eigenen Lebensart.

 

Aber beginnen wir von vorn. Kurz nach der sonntäglichen Mittagszeit treffen sich bei herrlichem Wanderwetter interessierte Frauen und Männer, die erfahren wollen, was die große Dichterin Annette von Droste Hülshoff mit dem kleinen Alme verbindet. So erzählt Wanderführer Wolfgang Kraft gleich zum Einstieg, dass sich besagte Dichterin 1823/24 in Alme aufhielt und ihre Eindrücke im ersten Reiseführer Westfalens überliefert sind. Und sie sagt über das Mühlental: „man muss dieses Thal, in dem sich Wildheit und Reiz in einem so seltenen Grunde verschmelzen, eigentlich gesehen haben.“ Und das wollen dann auch Alle und leichten Schrittes zieht man los: vom Entenstall über das ehemalige Gelände der Papierfabrik – und auch hier nicht ohne geschichtliche Erläuterung – hoch in den Wald hinein und weiter zum Quellgebiet der Alme. Wolfgang informiert über den künstlich angelegten Quellteich, den sich die Natur im Laufe der Jahrhunderte zu eigen gemacht und in wundervoller Weise mit dem natürlichen Quellgebiet vereint hat. Der Blick ins Wasser zeigt, wie es glitzert und sprudelt, aus mehr als hundert Einzelquellen, deren Ursprung im Massenkalk liegt, gebildet aus einer Unzahl von Muscheln und Korallen. Und wie zum Beweis und zum Erstaunen Aller, finden sich fossile Steinfunde am Wegesrand.

Durch das wild romantische Mühlental führt der Weg durch eine Bahnunterführung und es gibt Informationen zum damaligen Schienenverkehr und die ein oder andere Anekdote über das Kutschenreisen Annette von Droste Hülshoffs und ihrer Ansichten über Sauerländer, Münsterländer und Paderbörner. Vor dem Aufstieg in den Buchenwald mit seiner besonderen Vielzahl uralter Bäume, wird sich noch einmal mit kühlen Wasser gestärkt und Wolfgang berichtet von eiszeitlichem Pyrenäen-Löffelkraut, seltenen Leberblümchen und hochgiftigem Eisenhut sowie den interessierten Botaniker/-innen und Universitäten, die diese Seltenheiten regelmäßig besuchen und beforschen.

Dann beginnt der Aufstieg. Nachdem es zunächst zügig vorangeht, stockt es mehr und mehr im Wandertrupp, was aber weniger der Beschwerlichkeit als vielmehr den vielen süßen Himbeeren am Wegesrand geschuldet ist. Am Uhufelsen angekommen, trauen sich die Mutigen, den Fels zu besteigen und den Blick schweifen zu lassen. Für diesen Mut gibt es im Anschluss ein Kräuterschnäpschen – nun gut, für die nicht Mutigen auch – und während die Wanderschar genießt, rezitiert Wolfgang das Gemüt bewegende Gedichtzeilen. Den Durst gelöscht und literarisch gestärkt, machen sich Alle an den serpentinenartigen Abstieg.

Unten angekommen, geht es am Flusslauf der Alme entlang zur anderen Seite des Quellteichs, wo sich Quelle 104 ebenso den Blicken preisgibt wie Kanadagans und Teichhuhn. An der Infotafel können die geologischen Besonderheiten des Quellgebietes und die seltene Fauna und Flora nun auch in Bildern anschaulich betrachtet werden. Aus dem Mühlental hinaus geht es an Friedhof und Kirche vorbei – nicht ohne die Geschichte des dort aufgestellten Grubenhauses zu erwähnen – und an der Alme und der historischen Schlossmühle vorbei zum Wasserschloss. Heute im Besitz der Familie Graf von Spee, hat das Schloss bewegende Zeiten und Besitzer erlebt – wie Wolfgang zu berichten weiß.

Und damit endet eine für Geist und Seele erlebnisreiche Wanderung – aber nicht ohne abschließende Worte der Dichterin: „Ich weiß nicht ob es mir gelungen ist dem Leser das Bild so anschaulich zu machen als es verdient, aber dieses (Alme) ist eine Stadt, die sich obwohl nicht an Grösse der Massen, doch an Grossartigkeit und Romantik kühn mit jeder Deutschlands wetteifern kann.“

Danke Wolfgang, für diesen – literarisch, naturkundlich und geschichtlich – einfach schönen Nachmittag.

 

(Text und Foto: Cordula Kaup)

18 Wanderfreudige auf literarischer Spurensuche

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