Leverkusener Siebenschläfer-TV wieder online

Sieben Monaten Winterschlaf sind zu Ende | Projekt lieferte bisher zahlreiche neue Erkenntnisse über das Leben der heimlichen Bilche

Haselmaus im Ringelsteiner Wald

 

Düsseldorf/Leverkusen – Endlich ist es wieder so weit: die Siebenschläfer sind aus ihrem sieben Monate währenden Winterschlaf erwacht. Zeit auch wieder für das Siebenschläfer-TV des NABU Leverkusen.  Seit 01. Juni garantieren mehrere Kameras weltweit wieder jedem via Internet die spannendsten Einblicke in das bunte Treiben der possierlichen Bilche. 2016 nutzten über 48.000 Menschen aus 50 Ländern dieses Angebot“, berichtete Erich Schulz, Vorsitzender des NABU Leverkusen. Damit sei eines der Ziele des Projektes, über das geheime Leben dieser nachtaktiven Säugetiere aufzuklären, bereits erreicht worden. Viele hätten dieses wichtige „Rädchen im Uhrwerk der Natur“ auf diese Weise zum ersten Mal kennengelernt.

In diesem Jahr haben sich die nachtaktiven Nager mit dem buschigen Schwanz etwas mehr Zeit gelassen mit dem Aufwachen. Rund eine Woche später als in den vergangenen Jahren haben die ersten Siebenschläfer aber nun ihr Sommerquartier bezogen und haben nun ein straffes Zeitprogramm vor sich. Zunächst heißt es möglichst viel fressen, denn der lange Winterschlaf hat alle Fettreserven schrumpfen lassen. Dann muss ein Revier abgesteckt und ein Platz zur Gründung einer Familie gefunden werden. Da in unseren Wäldern alte, dicke Bäume mit Astlöchern für die Jungenaufzucht selten geworden sind, nutzen die munteren Kobolde der Nacht gerne Nistkästen, in denen bereits im Frühjahr Meisen gebrütet haben. Das verlassene Meisennest dient dann als kuscheliger Untergrund – so wie ein Sofa. Hier kann das Weibchen die Jungen sicher großziehen. „Ein Beispiel dafür, dass im Zusammenspiel vieler Lebewesen wichtige Wechselwirkungen bestehen, die nur funktionieren, wenn die dafür notwendige Artenvielfalt erhalten bleibt“, so Regine Kossler, Projektkoordinatorin des NABU-Siebenschläferprojekts.

2015 begann das Siebenschläfer-Projekt des NABU Leverkusen. Die Siebenschläfer quittierten die engagierten Bemühungen mit wunderbaren Einblicken in ihre Wohnstube von Putzaktionen über gemütliches Chillen, Balz, Geburt und Erwachsen werden von sechs Jungen. Mit der Erfahrung des ersten Jahres wurden in 2016 die Nistkästen und die Technik optimiert. Auch in dem Jahr waren die Siebenschläfer „kooperativ“. Gleich zwei Weibchen zogen in den Nistkasten ein. Im Juli kamen die ersten Jungen zur Welt. Für die Wissenschaft völlig neu war die Frage, wie das zweite Weibchen darauf reagieren würde – was sich als vollkommen unproblematisch erwies. Dann folgte die zweite Überraschung: Im August stellte sich weiterer Nachwuchs ein. Auch diese Konstellation stellte sich als unproblematisch heraus – beide Weibchen säugten beide Altersstufen der Jungtiere. Kossler: „Bei dem Gewusel war es allerdings schwierig, die genaue Anzahl der Jungen zu ermitteln. Es waren aber mindestens 12 Junge, die auch alle groß geworden sind. Nun sind wir sehr gespannt auf die diesjährigen Einblicke in das Leben dieser faszinierenden Tiere.“

Doch das Leverkusener Siebenschläfer-Projekt biete noch mehr als die Beobachtung der Bilche. Speziell in 2017 und 2018 möchte das neu entwickelte pädagogische Programm vor allem Jugendliche erreichen. Für Leverkusener Sekundarstufen gibt es das Angebot einer kostenlosen pädagogischen Einheit zum Siebenschläfer und seiner Rolle im komplexen Ökosystem des Waldes und alter Streuobstwiesen. Nach einer einstündigen Impulseinheit in der Schule geht es hinaus in den Wald, die Heimat des Siebenschläfers. Hier lernen die Jugendlichen das sympathische Säugetier näher kennen und natürlich steht auch das Siebenschläfer-TV auf dem Programm. Einige Plätze seien noch frei.

Möglich machten den erneuten Start des Siebenschläfer-TV zum Einen die Spenden begeisterter Zuschauer aus 2015/2016, die auch dieses Jahr nicht auf die Beobachtung der nächtlichen Kobolde verzichten wollten, zum Anderen die erneute Förderung durch die Stiftung Umwelt und Entwicklung NRW. Nur so sei neben den vielen Stunden ehrenamtlicher Arbeit die umfangreiche live-view-streaming Technik und die pädagogische Arbeit für den NABU-Leverkusen realisierbar.

Beobachtet werden können die Siebenschläfer über die Webcam des NABU-Leverkusen unter www.nabu-nrw.de/wir-ueber-uns/infothek/webcam/index.html  oder direkt über die Projektseite www.nabu-leverkusen.de/siebenschlaefer. Hier sind auch viele Highlights der vergangenen beiden Jahre weiterhin zu finden.

Unter www.facebook.com/pages/Familie-Siebenschläfer findet man das Projekt Familie Siebenschläfer – geheimnisvolle Nachtschwärmer auch auf Facebook.

Für Rückfragen:Regine Kossler, Projektkoordinatorin NABU-Siebenschläferprojekt, Tel.: +49 151 56 10 50 99, Mail: regine.kossler@nabu-leverkusen.de

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Herausgeber: NABU Nordrhein-Westfalen, 40219 Düsseldorf

Redaktion: NABU-Pressestelle NRW, Birgit Königs (verantwortlich)

Tel. 0211.15 92 51 – 14 | Fax -15 | E-Mail: B.Koenigs@NABU-NRW.de

 

Anmerkung:

Unser Bilch ist eine Haselmaus, gesehen und fotografiert von Klaus Rabeneck im Ringelsteiner Wald. In Leverkusen sind es Siebenschläfer, gleiche Familie, andere Art.

In Deutschland gibt es insgesamt vier Arten, bei uns den Siebenschläfer, Gartenschläfer und die Haselmaus.

Gesamt werden sie auch Mausschläfer genannt, wohl auf Grund ihrer langen Winterruhe, aber dann werden sie zu Kobolden der Nacht.

Text und Infos: Klaus Hanzen

Bild Haselmaus: Klaus Rabeneck

 

Siebenschläfer TV…

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